Zellengedicht

Wenn jemand im Gefängnis sitzt
und  ein  Mitinsasse  legt  ihm
ein  Handtuch  um  den  Hals,
um  ihn  zu  würgen. Und  der
Jemand  versucht,  diesem
Würgegriff  zu  entkommen,
indem er verzweifelt eine Hand
unter das Handtuch schiebt,

und der Mitinsasse merkt das
und würgt nun mit bloßen Händen
und quetscht dem Jemand
eine Halsseite zusammen,
so daß da Würgemale bleiben,
und zwar so lange, bis der
Jemand keine Luft mehr kriegt
und bis den Würger ein anderer
Insasse schließlich wegzerrt.

Dann gibt´s dafür ein Schmerzensgeld
vom Amtsrichter, und zwar
„eine billige Entschädigung in Geld“,
sprich: was der Richter netto
in zwei Tagen verdient.
Denn es war ja Knast
und nicht so schlimm.

 

Ein Gedanke zu „Zellengedicht

  1. Das Gedicht ist nicht ganz realistisch. Das Schmerzensgeld gibt´s nicht wirklich „vom Amtsrichter“. Das ist nur eine Redewendung. Das Schmerzensgeld gibt es natürlich nur auf dem Papier.

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