Neues von den Hexern (beA II)

Seit dem 03.09.2018 ist das besondere elektronische Anwaltspotsfach „wieder“ in Betrieb. Und wenn es im Beruf des Anwalts nicht schon so viel zu lachen gäbe – ein Bekannter sagte mal: „manchmal kann man so viel Spaß gar nicht ab“ – das beA sorgt als ständige Quelle der Heiterkeit immer wieder für Unterhaltung.

Dabei versuchen alle Beteiligten (oder besser: Betroffenen) ein ernsthaftes Gesicht zu machen und so zu tun, als wäre ein wirkliches Funktionieren zumindest in Sichtweite.

Dagegen spricht aber einiges.

1. Noch immer muß man endlos Tasten drücken, um eine Sendung abzusetzen. Was per email oder per Fax mit wenigen Klicks auf den Weg gebracht ist, dauert per beA – und das völlig sinnfrei und ohne den angeblich damit angestrebten Sicherheitsgewinn – pro Sendung mindestens fünf Minuten. Das soll ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung sein? Daß ich nicht lache.

2. Alle Nase lang – vermutlich immer dann, wenn noch einige andere Kollegen auf den Gedanken kommen, den Server zu kontaktieren, um Nachrichten abzuholen oder zu senden – bleibt das Ganze einfach stehen. Besonders auffällig ist, daß Sendungen an Gerichte und Behörden – die zum EGVP, einem eigenen System mit separaten Servern – angeschlossen sind, länger erreichbar bleiben und eher wieder erreichbar werden, als Anwälte. Hier scheint die Serverkapazität bereits an ihren Grenzen zu operieren. Vermutlich hat hier der Geiz der Anwaltskammer für schmale Bandbreiten gesorgt. Wenn man das stete Anwachsen der Datenmengen pro Sendung in den vergangenen paar Jahren betrachtet – das Konzept des beA ist ja nun schon recht angejahrt – wundert einen das nicht. Läßt einen aber für die nähere Zukunft den wiederholten Kollaps befürchten. Schon jetzt ist das Ganze eher ein Arbeitsbehinderungssystem. Alles ist schneller als beA.

3. Jetzt scheinen ein paar Schlauberger im Maschinenraum auf den Gedanken gekommen zu sein, die Zeit, nach der der Nutzer automatisch abgemeldet wird, einfach drastisch zu verkürzen. Eine besonders aparte Idee: je kürzer der einzelne Nutzer das System in Anspruch nimmt, desto mehr Nutzer können daran arbeiten. Der Haken ist Punkt 1 (siehe oben). Umständlichkeitshalber reicht die Zeit nicht mehr für das Versenden umfangreicher Nachrichten mit mehreren Anhängen. Durch die Notwendigkeit, den Sendeversuch mehrfach zu wiederholen, dürfte das System noch weiter verstopft werden. Glückwunsch zu dieser beherzten Problemlösung!

4. Die Bundesrechtsanwaltskammer behauptet, es gebe so etwas wie einen „Support“. Falls man dort mal nachschlagen sollte, was das Wort eigentlich bedeutet, bin ich sicher, daß eine donnernde Lachsalve die Zentrale erschüttern wird. Denn von Unterstützung kann keine Rede sein. Auf irgendeine der letzten sieben Fehlermeldungen – muß Anfang September gewesen sein – kam die Rückmeldung, wegen der vielen Anfragen könne es ein wenig dauern. Ich habe schon während jener unglückseligen Testphase 2017, bis das System zusammenbrach, Erfahrungen mit den freundlichen, stets aufmerksamen Helfern am virtuellen Support-Desk gemacht, denen von der Bundesrechtsanwaltskammer zu so mancher Frage die Antwort verboten wurde, und die völlig unfähig waren, auch nur ein Problem selbst zu lösen. Sie waren wirklich nur dafür da, die Problemsituationen mit den Betroffenen zu rekonstruieren, damit irgendein Entwickler im Hintergrund dann herausfinden konnte, warum sein Java-Script nicht funktionierte. Was diese Entwickler im Hintergrund so draufhaben, sieht man ziemlich bald, wenn man das System benutzt. Allein das User-Unterface ist so schrottig geschrieben und so unfreundlich, unintuitiv und sperrig, daß jeder Softwarehersteller, der sich am Markt behaupten müßte, sofort damit pleite ginge. Aber für die Anwaltskammer ist das offenbar gut genug. Was wiederum ein Licht auf deren digitale Kompetenz wirft.

5. Was dem Anwalt – mir – hier zugemutet wird, ist an sich unglaublich. Denn es besteht Anschluß- und Benutzungszwang. Aus einer verbeulten Leitung quillt es rostig Tropfen für Tropfen hervor: das neue schöne Informationszeitalter, verwaltet von irgendwelchen Funktionärsgestalten, deren Vorstellung von dem, was man mit Computern anstellen kann, wahrscheinlich langsam wie ein Gewölle aus Staub und Milben hinter Speicherschreibmaschinen, Nadeldruckern und SVGA-Farbbildschirmen gewachsen ist, so daß man es heute für einen Teil der Digitalarchitektur hält. So muß es sein. So muß es bleiben.

Da steht uns noch eine Menge Spaß bevor.

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